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Werder gegen Verden - Erkenntnisse aus dem ersten Test

Werders erster Test der Sommervorbereitung ist in den Geschichtsbüchern und damit auch das Debüt von Horst Steffen an der Seitenlinie. Was können wir daraus mitnehmen? Klar ist: Testspielen, gerade in frühen Phasen der Vorbereitung, übermäßige Bedeutung beizumessen ist häufig nicht sehr wertvoll. Leistungen individueller Spieler anhand von Tests gegen einen Oberligisten einzuschätzen, führt uns auch nicht zum Ziel. Zusätzlich ist eine genauere Analyse schwierig, da die Bildausschnitte oft recht klein sind und man nicht die Bewegungen der ganzen Mannschaft auf einem Bild erkennt.

Was allerdings spannend ist, ist Muster und Prinzipien zu untersuchen, die es auch im Spiel gegen Verden durchaus schon gab. Themen, die Steffen der Mannschaft in einer Woche Training offenbar schon ganz gut vermitteln konnte. Ich werde mich hier in der Analyse größtenteils auf die Erste Hälfte des Spiels stürzen, da gerade die Doppelsechs aus Stage (später Adeh) und Bittencourt hier viele Dinge gemacht haben, die man bei Steffens Elversberg häufig gesehen hat. In der zweiten Hälfte war das Spiel im defensiven Mittelfeld teilweise nicht mehr so strukturiert und diszipliniert.


1) Grundformation

4-2-3-1 Grundformation beim Testspiel gegen Verden (Quelle: Werder TV)
4-2-3-1 Grundformation beim Testspiel gegen Verden (Quelle: Werder TV)

Bei der Grundformation erkannte man ein recht klare 4-2-3-1. Adeh spielte zum Start des Spiels gemeinsam mit Pieper in der Innenverteidigung. Deman und Malatini spielten auf den Außen. Die Doppelsechs bestand aus Bittencourt und Stage - nach Stages Auswechslung rückte Adeh auf die Sechs und Coulibaly übernahm seine Position in der Innenverteidigung.

Die Offensive Dreierreihe im Mittelfeld bestand aus Opitz (Links), Hansen-Aaroen (Mitte) und Mitch Weiser (Rechts) mit Keke Topp als einziger nomineller Spitze.

Die Grundformation hat sich auch in der zweiten Hälfte mit anderem Personal nicht geändert.


2) Kurze Distanz zwischen den Defensiven Mittelfeldspielern


Kurzer Abstand zwischen den defensiven Mittelfeldspielern und der Abwehrkette (Quelle: Werder TV)
Kurzer Abstand zwischen den defensiven Mittelfeldspielern und der Abwehrkette (Quelle: Werder TV)
Kurzer Abstand zwischen den defensiven Mittelfeldspielern zur Isolation einer Spielfeldseite (Quelle: Werder TV)
Kurzer Abstand zwischen den defensiven Mittelfeldspielern zur Isolation einer Spielfeldseite (Quelle: Werder TV)

Im Aufbauspiel war häufig zu erkennen, dass beide oder mindestens ein defensiver Mittelfeldspieler sich nah an der Abwehrreihe aufgehalten hat um eine Anspielstation in der Mitte zu bieten. Die Nähe der Sechser zueinander ermöglicht so sich aus Drucksituationen zu befreien und eine Exit-Option zu haben. Beim zweiten Bild sieht man sehr gut wozu dieses Stilmittel dienen kann. Adeh und Bittencourt verlagern sehr eng zueinander auf eine Seite. Dadurch werden die Gegenspieler aus der Mitte auf eine Seite gezogen und Deman ist dadurch am unteren Bildrand komplett frei.


3) Spiel "in den Gegnerdruck"

Passpiel von Adeh in den Gegnerdruck, statt sicherer Passioption (Quelle: WerderTV)
Passpiel von Adeh in den Gegnerdruck, statt sicherer Passioption (Quelle: WerderTV)
Passpiel von Coulibaly in den Gegnerdruck, statt sicherer Passioption  (Quelle: WerderTV)
Passpiel von Coulibaly in den Gegnerdruck, statt sicherer Passioption (Quelle: WerderTV)

Ein weiteres Prinzip, das man gegen Verden gut beobachten konnte, war das Spiel in den Gegnerdruck hinein. Der orange Pfeil symbolisiert hier den tatsächlichen Pass, der blaue Pfeil die weiteren Passoptionen. Oben sind zwei Beispiele, bei denen Wesley Adeh und Karim Coulibaly das Prinzip im Aufbauspiel sehr gut umsetzten. Statt die "einfachen" Passoptionen nach Außen zu wählen, die häufig unter Werner noch das Mittel der Wahl waren, entschieden sie sich für die "riskanteren" Passoptionen durch die Mitte. Dieses bewusste Spiel in den Druck sorgt dafür, dass Freiräume für Mitspieler entstehen, die dann ausgenutzt werden sollen.


4) Positionsrotation

Mittelfeldrotation (Quelle: WerderTV)
Mittelfeldrotation (Quelle: WerderTV)
Offensivrotation (1) - Topp auf Außen (Quelle: WerderTV)
Offensivrotation (1) - Topp auf Außen (Quelle: WerderTV)
Offensivrotation (2) - Topp auf Außen (Quelle: WerderTV)
Offensivrotation (2) - Topp auf Außen (Quelle: WerderTV)
Situative Mittelfeldrotation (Quelle WerderTV)
Situative Mittelfeldrotation (Quelle WerderTV)

Ein Stilmittel, dass man gerade in der ersten Hälfte oft beobachten konnte, waren Positionswechsel. Hansen-Aaroen ließ sind beispielsweise hin und wieder aus dem Offensiven Mittelfeld hinter die beiden defensiven Mittelfeldspieler fallen und beteiligte sich am Spielaufbau. Keke Topp und Leon Opitz tauschten sogar sehr häufig die Positionen, wodurch Topp auf dem linken Flügel zu finden war und Opitz eher Zentral. Ziel dieser Rochaden ist es Gegenspieler aus ihren Positionen zu ziehen, die Zuordnung zu zerstören und so Freiräume für Mitspieler zu schaffen. Sehr gut sieht man das beim zweiten Bild. Hier zieht Topp seinen Gegenspieler am Strafraumrand nach Außen. Opitz füllt in der Mitte auf, aber die Zuordnung beim Gegner stimmt nicht. Drei Spieler sind bei Opitz, während Deman zu einem Lauf recht freien Lauf ansetzen kann.

Besonders spannend ist auch die vierte Situation: Hier ließ sich Leon Opitz auf die Sechs neben Leo Bittencourt fallen, während Hansen-Aaroen den linken Flügel besetzte und Wesley Adeh die Zentrale Position im offensiven Mittelfeld übernahm.


5) Entgegenkommen der Offensivspieler zum Überspielen von Linien

Entgegenkommen der Offensivspieler (1) (Quelle: WerderTV)
Entgegenkommen der Offensivspieler (1) (Quelle: WerderTV)
Entgegenkommen der Offensivspieler (2) (Quelle: WerderTV)
Entgegenkommen der Offensivspieler (2) (Quelle: WerderTV)

Ein weiteres Stilmittel, dass man schon sehr gut erkennen konnte war das Entgegenkommen der Offensivspieler, um linienbrechende Bälle aus der Defensive zu spielen.

In den Beispielen ist es zweimal Karim Coulibaly, der direkt flache Pässe auf den entgegenkommenden Offensivspieler spielt um das Spiel direkt ins letzte Spielfelddrittel zu verlagern. Beim ersten mal kommt Opitz entgegen, beim zweiten mal Keke Topp, der die Position in diesem Moment mit Opitz getauscht hatte. Leider sieht man es bei dem zweiten Ausschnitt durch das begrenzte Testspiel-Bild nur sehr schlecht. Hier war in jedem Frame nur einer von beiden Spielern zu sehen. Aus der zweiten Situation ensteht dann aber die Situation unter Offensivrotation (2) - hier wurden also schon zwei Prinzipien verbunden.


6) Ein exemplarischer Angriff


1: Aufbauspiel - Spiel in den Druck (Quelle: WerderTV)
1: Aufbauspiel - Spiel in den Druck (Quelle: WerderTV)
2. Aufbauspiel: Kurzer Abstand zwischen den Sechsern (Quelle: WerderTV)
2. Aufbauspiel: Kurzer Abstand zwischen den Sechsern (Quelle: WerderTV)
3. Mittelfeld: Spiel in den Druck (Quelle: WerderTV)
3. Mittelfeld: Spiel in den Druck (Quelle: WerderTV)
4. Angriffsdrittel: Spiel in den Druck (Quelle: WerderTV)
4. Angriffsdrittel: Spiel in den Druck (Quelle: WerderTV)
5. Angriffsdrittel: Isolation der Außenspieler (Quelle: WerderTV)
5. Angriffsdrittel: Isolation der Außenspieler (Quelle: WerderTV)

Ein exemplarischer Angriff fand vor der Ecke statt, die zum 1:0 führte. Adeh spielte im Aufbau einen Pass in die Mitte zu Jens Stage, der drei Gegenspieler in kurzer Entfernung zu sich vorfand. Durch den kurzen Abstand zu Leo Bittencourt konnte er sich jedoch leicht aus dieser Situation lösen. Bittencourt spielt den Ball nun weiter auf Deman, der in Situation 3 den "schwereren" Pass in die Mitte zu Keke Topp wählte anstatt Leon Opitz zu schicken. Topp wählt in Situation 4 auch die komplexere Option, nämlich den Ball auf Isak Hansen-Aaroen. Dadurch orientieren sich 5 Verdener in Richtung der Mitte und Hansen-Aaroen ist in der Lage den Ball auf den recht verweisten Leon Opitz zu spielen, der aus dieser Situation dann eine Ecke herausholen kann, die schließlich zum 1:0 durch Pieper führte.


Alles in Allem bin ich schon begeistert von Steffens Art Fußball zu spielen. Für ein Spiel gegen einen Oberligisten war das ganze schon sehr unterhaltsam. Der Erkenntnisgewinn wird ungleich größer, je schwerer die zu bespielenden Gegner werden, aber für die erste Trainingswoche sah das Spiel schon recht gut aus und es waren Dinge ersichtlich, die so auch auf bessere Gegner übertragbar sind.


 
 
 

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