Flexibel, Fleißig und Effizient - Samuel Mbangula wird Bremer
- tfoerster90
- Jul 24
- 6 min read
Das Gerücht um den jungen Flügelspieler von Juventus schlich schon seit einigen Wochen durch die Gerüchteküchen des Landes. In der letzten Woche nahm der Transfer fahrt auf und wurde immer konkreter. Hätte man mich vor einer Woche gefragt, ob ich den Transfer für realistisch halte, hätte ich vermutlich mit "Auf keinen Fall" geantwortet, aber spätestens nach den Aussagen von Niemeyer und Steffen rund um das Testspiel in Emden, war ich überzeugt, dass da mehr dran ist und es jetzt schnell gehen kann. Da gerade unser "Leiter Lizenzbereich" sonst doch sehr zurückhaltend damit ist konkrete Namen zu kommentieren, schienen mir die Aussagen doch recht offensiv.
Nun ist Samuel Mbangula also tatsächlich Teil unserer Mannschaft und ich versuche hier einmal zu beantworten wie seine Karriere bisher verlief, warum er für Werder auf einmal eine realistische Option war, was seine Stärken sind und in welchen Felder er sich noch entwickeln muss.
Ausgangslage
Samuel Mbangula wurde im Januar 2004 in Brüssel geboren. Seine ersten Schritte im Fußball machte er bei kleineren Clubs in Brüssel bevor er sich schließlich Club Brügge anschloss. Von dort zog es Ihn 2019 nach Anderlecht und dann bereits nach einem Jahr in die U17 des von Juventus Turin. Seinen Durchbruch als Profifußballer gelang ihm erst im letzten Jahr als er unter dem damaligen Juventus Coach Thiago Motta immer mehr sportliche Relevanz und Spielzeit bekam. In seinen ersten beiden Serie A Spielen steuerte er gegen Como und Verona direkt einen Treffer und Zwei Vorlagen bei. Unter Motta spielte Mbangula regelmäßig in der Liga und in der Champions League und konnte so in seiner Debütsaison insgesamt 4 Tore und 5 Vorlagen in 1078 Minuten in allen Spielen beisteuern. Das sind knapp 120 Minuten pro Scorer, bei einer natürlich sehr kleinen Stichprobenzahl. Seinen Marktwerkt konnte er dementsprechend von 250.000 Euro auf 14 Mio. Euro erhöhen.
Es ist ungewöhnlich, dass ein Club wie Werder bei einen Spieler, der bei einem internationalen Topclub eine solche Debüt-Saison spielt, eine Chance hat. Warum ist das möglich?
Zum einen muss man sagen, dass Mbangulas Saison nicht so fulminant weitergegangen ist, wie sie angefangen hat. Insgesamt stand Mbangula 9 mal in der Startelf, wurde aber im Verlauf der Saison auch 21 eingewechselt. Er hat aber unter Motta sehr regelmäßig seine Spielzeit bekommen. Es gab selten Zwei Spiele am Stück in denen Mbangula nicht gespielt hat.
Mottas Aufenthalt bei Juventus war jedoch Ende März vorbei. Und damit auch die regelmäßigen Einsatzzeiten für Mbangula. Mit Igor Tudor kam ein Trainer, der eine Dreierkette bevorzugte und bei dem die Wingbacks häufig die einzigen Außenspieler auf dem Platz sind. Nach dem Trainerwechsel kam Mbangula nur noch auf Zwei Kurzeinsätze in der Liga.
Er spielt also im aktuellen System keine Rolle mehr. Zusätzlich muss Juventus Transfereinnahmen generieren, um selbst aktiv werden zu können. So ergab sich also die Chance für Werder Mbangula verpflichten zu können. Juventus Fans wirken nicht sehr glücklich über diese Entscheidung, was sicher auch ein Hinweis auf die Qualität und das Potential des Spielers gibt. Aber was zeichnet Mbangula aus?
Spielweise und Position: Ein flexibler Flügelspieler
Bevor wir über Daten und Fakten reden ist ein kleiner Disclaimer an der Tagesordnung: Wir müssen hier bei der Beurteilung sehr vorsichtig sein. Mbangula hat letztes Jahr seine erste Profisaison absolviert und in dieser knappe 1000 Minuten Fußball gespielt. Alle Daten auf Fbref.com beispielsweise beziehen sich nur auf seine Auftritte in 935 Minuten Serie A und Champions League. Die Stichprobe ist also sehr klein. Highlightvideos auf Youtube sind für mich auch keine gute Grundlage. So etwas kann man für jeden Spieler mit ein paar gelungenen Optionen zusammenschneiden und ist unggeeignet für die Analyse. Für genauere Daten bräuchte also man wahrscheinlich kostenpflichtige Plattformen wie Wyscout.
Mbangula ist nominell ein schneller und dynamischer linker Flügelspieler mit einem starken rechten Fuß. An seiner Heatmap aus der letzten Serie A Saison sieht man, dass er selten ganz bis zur Grundlinie zieht und flankt, sondern diagonale Läufe vom Flügel in die Halbräume oder in den Strafraum bevorzugt. Er ist kein Spieler, der nur am linken Flügel klebt. Im Gegenteil ist er ein sehr vielseitiger Spieler, der in der offensiven Reihe problemlos alle Positionen bekleiden kann, auch wenn er sich auf der linken Offensivposition am wohlsten fühlt.
Hier schneidet er gern vor der Strafraumkante nach innen und sucht den Abschluss mit seinem starken rechten Fuß oder den Pass in die Tiefe. Eine Spielweise, die sehr gut zu Außenspielern in Steffens Spielsystem passt.


Effizienz im Abschluss
"While Mbangula’s overall contribution to Juventus’s attack has been impressive, his goalscoring ability has truly set him apart. His finishing has been clinical, demonstrating a composure and ruthlessness that belies his young age." - juventusanalysis.com
Eine Anomalie in seinem statistischen Profil war seine Torgefahr. Während er zu den Top 11% der besten Torschützen (pro 90 Minuten) auf den Flügelpositionen zählte, war er gleichzeitig unter den schlechtesten 6% bei den zu erwartenden Toren - er war also extrem effizient im Abschluss. Dies wird von seinen Schusstatistiken untermalt. Pro 90 Minuten hat er nur 1,14 Schüsse abgegeben, davon gingen allerdings 55,6 % auch tatsächlich auf das Tor. Von seinen Schüssen aufs Tor landeten 60% auch im Netz - eine wahnsinnige Statistik. Hier wird zu sehen sein, ob diese Anomalie an seiner Schusstechnik und Effizienz lag oder an der kleinen Stichprobe. Ein Spieler, der seine erwarteten Tore überperformt und einen effizienten Abschluss hat, würde uns auf jeden Fall sehr gut tun.

Defensiver Beitrag
Neben seinem Beitrag in der Offensive stechen seine defensiven Statistiken heraus. Er führte sehr viele Defensivzweikämpfe und gewann diese auch häufig. In der abgelaufenen Saison zählte er bei gewonnenen Zweikämpfen zu den Top 9% unter offensiven Mittelfeld-/Flügelspielern in den Topligen. Allgemein sieht man, dass er defensiv sehr umtriebig war. Sein Entwicklungsfeld hier sind meiner Einschätzung nach die Zweikämpfe im Offensivdrittel. Wenn er seine zweifelsfrei vorhandenen Zweikampffähigkeiten noch in das letzte Drittel des Feldes übertragen kann, ist er mit seiner Geschwindigkeit, Dynamik und Effizienz eine wahre Waffe im Umschaltspiel. Das ist auch der statistische Bereich, den ich herausheben will. Denn hier sieht man wie enorm fleißig er gegen den Ball ist. Während alle anderen Statistiken (speziell die Schusstatistiken) auch durch die wenigen Einsatzzeiten beeinflusst sein können, lässt sich sein defensiver Fleiß nicht von der Hand weisen.

Passspiel und Kreativität
Auch im Bereich Chancenkreation und Passspiel bringt Mbangula einiges mit. Mit 85,5% angekommenen Pässen zählte er zu den Top 5 Prozent der offensiven Mittelfeld- und Flügelspieler. Er bevorzugte hier vor allem Kurzpässe. Wenn er allerdings längere Passformen wählte, kamen die auch überdurchschnittlich oft an. Zusätzlich spielte er pro 90 Minuten 1,9 Key Passes (also Pässe, die direkt zu einem Schuss führten) und lag so unter den Top 16% für diese Metrik. Eindeutiges Entwicklungspotential hat er bei den progressiven Pässen. Er spielte nur vergleichsweise wenige Pässe auch wirklich in Richtung des gegnerischen Tors, was natürlich auch zum Teil die sehr gute Completion Rate erklärt. Er wählte also oft die sichere Passoption, statt mit Risiko nach vorn zu spielen.

Seine Defensivstärke spiegelte sich auch im Schafeen von Chancen wider. So gehörte er bei SCA (Shot Creating Actions) und GCA (Goal Creating Actions) nach eigenen Defensivaktionen zu den absoluten Topspielern. Auch bei SCA und GCA aus Pässen aus dem Spiel heraus war er überdurchschnittlich gut.
Das klarste Entwicklungsfeld, das ich bei ihm sehe, ist das Dribbling. Er versucht zwar überdurchschnittlich häufig an Gegnern vorbeizugehen, scheitert aber noch oft. Nur etwa ein Drittel seiner Dribblings sind auch von Erfolg gekrönt. Das spiegelt sich auch in SCA und GCA nach Dribblings wieder.


Alles in Allem ist Samuel Mbangula ein Spieler, der das Potential hat unserem Offensivspiel trotz seiner jungen Jahre den Stempel aufdrücken. Er hat alle Anlagen ein dominanter Flügelspieler in der Bundesliga zu werden und ich freue mich sehr über seine Verpflichtung, die aber natürlich auch mit einem erheblichen finanziellen Risiko verbunden ist. Hier ist es an den Verantwortlichen die Erwartungen an den jungen Mann entsprechend zu managen.
Quellen:
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